Grenzenlos glücklich, absolut furchtlos, immer in Schwierigkeiten.

DOROTHEE SÖLLE

APFELBÄUMCHENCLUB

 

ABC ApfelBäumchenClub

Bürgerrecht statt Bankenrecht

Seit mir ein Bankdirektor 1999 klarmachte, dass er mir für die Kürzung des Kreditrahmens keine Rechenschaft schuldig sei, gab es für mich kein wichtigeres Firmenziel als bankenunabhängig zu werden. Damals hieß das „schuldenfrei” zu werden. Als wir 2003 dieses Ziel erreichten und die Firma gut lief, sah ich in der Schuldenfreiheit ein Zeichen höchster Bonität. So gründete ich den Apfelbäumchen-Club (er hieß damals noch GEA-Sparverein, doch diese Bezeichnung hat uns die FMA verboten) und lud Freunde und Verwandte, später auch Kunden ein, für die weitere Entwicklung Geld in meine Firma einzulegen. Wir zahlten unseren EinlegerInnen in etwa die Zinsen, die wir auch der Bank zahlen müssten. Mit diesen Einlagen konnten wir unsere Firmen (die Waldviertler Werkstätten, die GEA Möbelwerkstatt und unsere GEA Läden) wunderbar entwickeln.

Unser Apfelbäumchen-Finanzierungsmodell ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass zwischen anständigen Menschen unter wechselseitigem Vertrauen stabile Vertragsverhältnisse sehr wohl möglich sind. Nach und nach wurden die Einlagen in unser Apfelbäumchen mehr und es begann eine grundsolide und kontinuierliche Entwicklung unserer Firma. In diesen 12 Jahren haben wir mit dem geliehenen Geld unserer FreundInnen und KundInnen in der Krisenregion Waldviertel 160 Arbeitsplätze geschaffen und die Energie-Wende vorbildlich vollzogen. Mit unserem Hauptprodukt „Waldviertler“ Schuhe agieren wir in einer Krisenbranche. Wir sind stolz darauf, dass wir ein bisschen etwas vom überragenden Knowhow, das es hierzulande in Sachen Schuhe einmal gab, retten konnten.

Es ist uns wichtig, dass wir in unseren Firmen unabhängig bleiben und nicht das Kapital bzw. die Banker das Sagen haben, sondern die, die die Arbeit machen. Hätten bei uns Kennzahlen und Gewinnmaximierung das Sagen, würden „sie“ uns gewiss zu erhöhter Fremdfertigung zwingen und damit 20 bis 30 SchuhmacherInnen ihren Job kosten. Wir wollen das nicht. Wir wollen hier im Waldviertel mit so vielen MitarbeiterInnen wie möglich sinnvoll arbeiten können.

Fast neun Jahre lang lief unser Finanzierungsmodell ausgezeichnet. Keine/r unserer DarlehensgeberInnen hat auch nur einen Groschen verloren. Im Gegenteil. Doch dann meldete sich die FMA und meinte, ich mache Bankgeschäfte ohne die erforderliche Berechtigung. Dies sei mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000,- Euro zu ahnden. Ich sage: Wir machen keine Bankgeschäfte. Banken wollen mit Geld Geld machen. Wir machen Schuhe, Taschen, Matratzen und einiges mehr. Wir haben kein Interesse an Geldgeschäften. Wir brauchen es ganz einfach für die gesunde Entwicklung unserer Firma.

Zehntausende Klein- und Mittelbetriebe bekommen „dank“ Basel II die für ihre Entwicklung lebensnotwendigen Kredite nicht mehr. Mit dem erfolgreichen Finanzierungsmodell unseres „Apfelbäumchens“ ist für sie alle ein wunderbarer (Aus-)Weg geglückt. Es kann und darf nicht sein, dass unser Versuch einer lebensbejahenden und vertrauenswürdigen Wirtschaft verboten werden soll, während das willkürliche Geldversenken in der Bankenwelt ungebremst und (meist) ungestraft vor unser aller Augen weitergeht.

Ich kann gut verstehen, dass die Banken, nachdem sie Abermilliarden verspekuliert und in den Sand gesetzt haben, jedes Vertrauen (auch untereinander) verloren haben. Dieser Mangel an Vertrauen darf deshalb (wegen der Banken) aber nicht zum überall herrschenden Prinzip werden. Vertrauen ist eine Notwendigkeit in jeder Freundschaft, in jeder Familie, und natürlich auch in jeder Gesellschaft. Verständlicherweise gedeihen auch Geschäfte in einem Milieu des Vertrauens besser. Eine Gesellschaft, in der es kein Vertrauen gibt, ist nicht lebenswert.

Es kann und darf nicht sein, dass die Banken mir (oder dir) vorschreiben können/dürfen, wem ich (oder du) Geld borgen darf. Transparenz ist dabei zweifellos ein sinnvolles und notwendiges Werkzeug. Das sollte (muss) dann aber auch für die Banken gelten. Unter dem Vorwand des „Anlegerschutzes“ verlangt die FMA von uns nun, dass wir alle Darlehensverträge auf „qualifizierte Nachrangdarlehen“ umstellen. Ich verstehe nicht, was das mit Anlegerschutz zu tun haben soll. Aber was soll’s? Die Grundlage für unsere Privatdarlehen war immer das Vertrauen – und so soll es auch bleiben.

 

1. Bürgerrecht statt Bankenrecht
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