Es gibt ja Leute, die sagen, unsere Politiker, das sind alles Verbrecher. Das ist natürlich Unsinn. Das wirklich organisierte Verbrechen arbeitet auf höherem Niveau. Da werden Menschen auch mal zur Verantwortung gezogen.

MATTHIAS BELTZ, Gut und Böse

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Unser Modell der Selbstorganisation hat heilendes Potenzial. Mit klugen Steuern können wir in eine sinnvolle Zukunft steuern. Mit klugen Rahmenbedingungen können wir Kreativität und Selbstheilungskräfte wecken.

 

KOMMENTAR von Heini Staudinger 3. Juli 2013

“Die Morgenröte will ich wecken”

Eckpunkte eines alternativen Konjunkturpakets

Nach dem Alpinekonkurs macht die Regierung 1,6 Mrd. Euro locker, um Arbeit zu schaffen. Übersehen wird – wieder einmal -, was die Schaffung von Arbeitsplätzen strukturell behindert.

In der Schuhbranche zahlen die großen Giganten – Nike, Adidas, Puma, Reno, Deichmann & Co. – für die Arbeit, mit der ihre Schuhe in Asien produziert werden, keinen Cent Abgaben. In Österreich sind die Abgaben auf Arbeit enorm hoch, während die Besteuerung von Vermögen lächerlich gering ist.

Die übermäßige Belastung von Arbeit schafft Arbeitslose und treibt uns immer weiter in die Wegwerfgesellschaft. Reparieren lohnt sich nicht. Wir vergeuden Ressourcen und Energie, obwohl wir wissen, dass unsere Erde das nicht aushält.

Eine zentrale Strukturmaßnahme lautet daher: Steuern auf Arbeit herunter, Steuern auf Müll, Energie, Finanztransaktionen und Vermögen hinauf! Steuer- und Abgabenfreiheit auf Arbeit bis zu einem Monatslohn von 1.500 Euro. Die fehlenden Geldern holen wir uns aus:

1. Besteuerung von Müll
2. Besteuerung von Energie
3. Besteuerung von Finanztransaktionen
4. Besteuerung von Vermögen

Alle vier Besteuerungsmaßnahmen werden uns helfen, in die richtige Richtung zu steuern.

ad 1: Nur ein Beispiel von vielen: Im Pazifik treiben Plastikinseln in der Größe von Westeuropa. Dennoch wird die Plastikmenge täglich mehr.

ad 2: Den Klimawandel gibt es wirklich. Der wachsende Energieverbrauch ist eine der wichtigsten Ursachen.

ad 3: Die Finanzakrobaten treiben uns in den Ruin. Alles was ihre Geschäfte bremst, ist gut. Alles was hilft, dass das Kapital wieder in der Realwirtschaft landet, ist gut.

ad 4: Der einzig sinnvolle Schutz von Vermögen ist der Schutz der Natur und der Erhalt eines einigermaßen funktionierenden Sozialwesens.

Basel III ist eine weitere harte Attacke auf die Klein- und Mittelbetriebe, die die wichtigsten Arbeitgeber Europas sind. 80% der neuen Jobs werden von KMU’s geschaffen. Wenn diese bei den Banken in Hinkunft noch schwerer zu den Krediten kommen, die sie für die Entwicklung ihrer Firmen brauchen, so killen wir den wichtigsten Jobmotor unserer Gesellschaft.

Direktdarlehen weisen da einen Weg der Hoffnung und der Zukunft. Verantwortungsvolle BürgerInnen wollen ihr Geld nicht mehr den Banken anvertrauen. Sie wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert. Sie wollen ihr Geld einsetzen für lebensbejahende Projekte und vertrauenswürdige Firmen.

Wie einfach das gehen kann, zeigt das Beispiel meiner Firmen (GEA/Waldviertler). Seit dem Jahr 2003 finanzieren wir uns durch Direktdarlehen von FreundInnen, KundInnen und MitarbeiterInnen. Damals waren wir 48 Beschäftigte. Heute, 10 Jahr später, sind wir 215. Das alles ohne Staatsgeschenke à la Konjunkturpakt und weitgehend auch ohne Bankkredite.

Schaffen wir ein vernünftiges Regelwerk, in dem diese Selbstorganisation sich entfalten kann. Das ist gut für die Wirtschaft, vor allem für die Regionalwirtschaft. Das ist gut für unsere Gesundheit, denn wie Antonovsky (Salutogenese) sagt, ist es für unsere Gesundheit maßgeblich, dass wir 1. unsere Welt einigermaßen verstehen können, dass wir 2. in dieser Welt aktiv sein dürfen und dass wir 3. unsere Aktivitäten als sinnvoll erleben können.

Unsere Wegwerfgesellschaft macht Mensch, Tier und Natur krank. (z. B.: 850000 ÖsterreicherInnen nehmen regelmäßig Psychopharmaka.) Unser Modell der Selbstorganisation hat ein heilendes Potential. Mit klugen Steuern können wir in eine sinnvolle Zukunft steuern. Mit klugen Rahmenbedingungen können wir Kreativität und Selbstheilungskräfte wecken.

Heini Staudinger lebt und arbeitet im Waldviertel. Er ist Begründer der Firma GEA und Mitbegründer der Waldviertler Werkstätten. Sein sozial-philosophisches Magazin “brennstoff” liefert vier Mal im Jahr Brennstoff für Herz und Seele.