Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.

MARIE VON EBNER-ESCHENBACH

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Heini Staudinger: “Unser Modell der Selbst­organisation hat ein heilendes Potential. Mit klugen Steuern können wir in eine sinnvolle Zukunft steuern. Mit klugen Rahmenbedingungen können wir Kreativität und Selbstheilungskräfte wecken.”

 

OFFENER BRIEF von Heini Staudinger 5.Juli 2013

An die Abgeordneten zum österreichischen Nationalrat!

Es gibt nicht den geringsten Zweifel: Die Krise, in die wir geraten sind, ist nicht irgendeine kleine Krise, die wie ein Schnupfen wieder vorbeigehen wird. Nein, diese Krise ist fundamental und sie hat eine wichtige Ursache: das Geld steht den Finanzmärkten zur Verfügung und nicht der Realwirtschaft, von der wir alle leben.

Alle diese Rettungsschirme retten nicht die Realwirtschaft in Griechenland oder Spanien, nein, mit diesen horrenden Geldern retten sie die Banken. Und diese Banken erschweren den Zugang von kleinen und mittleren Betrieben zu Finanzierungen dramatisch.

Geld jedoch ist in unserer modernen Wirtschaft ein wichtiges Werkzeug, wenn nicht gar das wichtigste. Mehr und mehr BürgerInnen spüren das.

Sie spüren aber auch, dass den Banken nicht zu trauen ist. Sie wollen selber entscheiden, was mit ihrem Geld passiert. Sie wollen selber Verantwortung übernehmen, vor allem in ihrer Region, in ihrem Lebensraum. Sie wollen nicht länger zuschauen, wie alles kaputt geht. Sie wollen aktiv werden; ihren Lebensraum (mit) gestalten.

Und nun will der österreichische Gesetzgeber die BürgerInnen weiter bevormunden, indem die direkte Kreditgewährung weiterhin als Bankgeschäft gelten soll und die Prospektfreiheit nur minimal von 100.000 auf 250.000 Euro erhöht wird.

Obwohl das herrschende Gesetz im Anlegerschutz oft genug katastrophal versagt hat (Meinl European Land, Auer von Welsbach, Alpine Bau … ), verteidigt auch die jetztige Gesetzesänderung weitgehend das Monopol der Banken, obwohl sie – wir können es fast täglich in den Medien mitverfolgen – fahrlässig mit unserem Geld umgehen. Wobei wir nicht alle Banken und nicht alle, die in Banken tätig sind, in einen Topf werfen wollen (siehe z.B. Gemeinwohl-Bank Lech).

Das Vertrauen, auf das sich Direktfinanzierungen von Projekten, Initiativen und kleinen und mittleren Unternehmen in der Region stützen können, ist oft besser und realistischer begründet als Anleihen, deren Prospekte teuer erstellt, geprüft und genehmigt werden – und für deren Ausfall letztlich trotzdem niemand haftet (siehe ALPINE).

Doch warum nur kleine Brötchen backen, die das Problem nicht ausreichend lösen werden? Weitere große, größere Schritte müssen folgen:

Schaffen wir ein vernünftiges Regelwerk, in dem diese Selbstorganisation sich entfalten kann. Das ist gut für die Wirtschaft, vor allem für die Regionalwirtschaft. Das ist gut für unsere Gesundheit, denn wie Antonovsky (Salutogenese) sagt, ist es für unsere Gesundheit maßgeblich, dass wir 1. unsere Welt einigermaßen verstehen können, dass wir 2. in dieser Welt aktiv sein dürfen und dass wir 3. unsere Aktivitäten als sinnvoll erleben können.

Basel III ist eine weitere harte Attacke auf die Klein- und Mittelbetriebe, die die wichtigsten Arbeitgeber Europas sind. 80% der neuen Jobs werden von KMUs geschaffen. Wenn diese bei den Banken in Hinkunft noch schwerer zu den Krediten kommen, die sie für die Entwicklung ihrer Firmen brauchen, so killen wir den wichtigsten Jobmotor unserer Gesellschaft.

Direktdarlehen weisen da einen Weg der Hoffnung und der Zukunft. Verantwortungsvolle BürgerInnen wollen ihr Geld nicht mehr den Banken anvertrauen. Sie wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert. Sie wollen ihr Geld einsetzen für lebensbejahende Projekte und vertrauenswürdige Firmen.

Wie einfach das gehen kann, zeigt das Beispiel meiner Firmen (GEA/Waldviertler). Seit dem Jahr 2003 finanzieren wir uns durch Direktdarlehen von FreundInnen, KundInnen und MitarbeiterInnen. Damals waren wir 48 Beschäftigte. Heute, 10 Jahre später, sind wir 215. Das alles ohne Staatsgeschenke à la Konjunkturpakt und weitgehend auch ohne Bankkredite.

Unsere Wegwerfgesellschaft macht Mensch, Tier und Natur krank (z.B.: 850.000 ÖsterreicherInnen nehmen regelmäßig Psychopharmaka).

Unser Modell der Selbst­organisation hat ein heilendes Potential. Mit klugen Steuern können wir in eine sinnvolle Zukunft steuern. Mit klugen Rahmenbedingungen können wir Kreativität und Selbstheilungskräfte wecken.

Das meint im Ernst
Ihr

Heini Staudinger Signatur

Heini Staudinger

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  • Tagesordnung der 216. Sitzung des Nationalrates
  • Gesetzesentwurf zur Freiheit der direkten Kreditgewährung
  • Kommentar von Heini Staudinger: Die Morgenröte will ich wecken. Eckpunkte eines alternativen Konjunkturpakets, erschienen am 4. Juli 2013 in “Die Presse”
  • Mitteilung von Heini Staudinger vom 4. Juli 2013