Grenzenlos glücklich, absolut furchtlos, immer in Schwierigkeiten.

DOROTHEE SÖLLE

KATHWEB
GEA-Gründer Heini Staudinger im Gespräch mit Abtpräses Haidinger

GEA-Gründer Heini Staudinger im Gespräch mit Abtpräses Haidinger

 

KATHWEB 16. Mai 2014

“Schuhrebell” Staudinger: Nachhaltigkeit braucht Durchhalten

GEA-Gründer im Gespräch mit Abtpräses Haidinger über Parallelen zwischen nachhaltigem Wirtschaften und Benedikts-Regel – Start der Orden-Gesprächsreihe “viel mehr – wesentlich weniger”

St. Pölten, 16.05.2014 (KAP) Nachhaltiges Wirtschaften und die für viele Orden maßgebliche Regel des Heiligen Benedikt teilen viele Gemeinsamkeiten. Das wurde im Gespräch des Gründers der Waldviertler Schuhfabrik “GEA”, Heini Staudinger, mit dem Benediktiner-Abtpräses und Superiorenkonferenz-Vorsitzenden Christian Haidinger deutlich. Die Begegnung diese Woche in der Schilterner “Arche Noah” war Auftakt der Schwerpunktreihe “viel mehr – wesentlich weniger”, mit dem die Ordensgemeinschaften Österreich das “Jahr der Orden 2015″ vorbereiten.

Die “Ernte des Durchhaltens” sei Erfolgsbasis seiner Waldviertler Schuhwerkstatt, reflektierte Staudinger: “Wenn ich eine Sache betreibe, dann bleibe ich auch daran.” Aus diesem Grund sei man auch bewusst in der Region Waldviertel geblieben. Für ihn gebe es “nichts edleres, als den Lebensraum zu pflegen, in dem wir leben”, zudem sei es “sinnvolle Verpflichtung einer halbwegs erfolgreichen Wirtschaft, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern auch an sein Umfeld”.

Ein Pendant zu diesem Durchhalten fand Haidinger in dem Benedikts-Begriff der “Stabilitas”. Verstanden werde darunter die Ortsgebundenheit sowie die Treue zur Gemeinschaft und zum eingeschlagenen Weg. Mit ihrer bis Oktober andauernden und auf Youtube veröffentlichten Gesprächsreihe “viel mehr – wesentlich weniger” wollen die Orden aus ihren Traditionen Impulse für Nachhaltigkeit, das “Rechte Maß” und ein einfaches Leben geben.

Der Verzicht, der hier implizit mit angesprochen wird, werde zwar meist negativ gesehen, sei in Wahrheit aber “Befreiung vom Überfluss”, betonte Staudinger. Die “10.000 Dinge im Supermarkt, die ich nicht brauche”, machten ihm den eigentlichen “Mangel” erst bewusst – konkret “die Unfähigkeit, mit dem, was da ist, genug zu haben”.

Freilich gebe es laut dem Schuhfabrikanten viele “angeblich gute Gründe, um sich Sachzwängen zu beugen”: Diese würden kurzfristig Entspannung bringen, seien langfristig jedoch “ein sanftes Gift, das dich auffrisst”: Wer das Verzichten verlernt habe, verhalte sich schnell aggressiv gegen die Natur, gegen andere und auch gegen sich selbst, so Staudinger.

Haidinger ortete eine “Sehnsucht nach Erfüllung” und berichtete von seinem Eindruck, “dass wir mit allen möglichen Dingen angefüllt sind, aber von wenigen erfüllt sind”. Auflösen könne man diese Leere, wenn man dem Ruf Gottes folge. Sein Armutsgelübde empfinde er selbst als “ganz große Bereicherung”, und auch der in den Ordensregeln vorgegebene Rhythmus biete ihm im Leben Halt und schenke “Zeit, wo ich ganz ich sein kann”. Wie viel Mut man gegen den Mainstream aufbringen könne, sei eine “individuelle Angelegenheit”: “Der heilige Benedikt hat gesagt, es sind nicht alle Menschen gleich”, betonte der Ordensmann.

Quelle: KATHWEB, 16. Mai 2014