In dieser Epoche ein spirituell Suchender ohne soziales Gewissen zu sein, ist ein Luxus, den wir uns schwerlich leisten können. Und es ist die ärgste Torheit, ein sozialer Aktivist ohne exaktes Verständnis der inneren Funktionsmechanismen des menschlichen Verstandes zu sein.

VIMALA THAKAR

OSKARL
In Zeiten wie diesen ist Transparenz ohne Zweifel eine gefragte Tugend.

In Zeiten wie diesen ist Transparenz ohne Zweifel eine gefragte Tugend.

 

OSKARL brennstoff 40, Gemeinsinnig Wirtschaften (Online blättern)

Transparenz – eine gefragte Tugend

Meine Eltern hatten eine Greißlerei (von Senta Berger weiß ich, dass dieses Wort vom Englischen »grocery« kommt, ihr Deutschen sagt dazu »Tante-Emma-Laden«). Diese Greißlerei war meine Wirtschafts-Universität. Dort lernte ich alles.

Mit zwei wusste ich zu grüßen, mit drei fing ich an, Kunden zu (be)dienen, mit sechs war ich fit in einfachen Kopfrechnungen. Im Laufe der Jahre lernte ich noch was sehr Wichtiges: Obwohl es für die Greißlereien wegen der aufkommenden Supermärkte immer schwieriger wurde, sagten meine Eltern immer: »So lange wir das Auskommen haben, gibt’s nichts zu jammern.« Der Satz von Seneca »Nie ist zuwenig, was genügt« beschreibt treffend eine gelebte Alltagshaltung meiner Eltern. Diese hat mir in meinem Leben oft geholfen.

Dennoch hatte mein Vater eine stressfreie Haltung zum Geld. Er hatte es überall eingesteckt. In den hinteren Hosensäcken, im Sakko, in allen Taschen – innen und außen – und selbstverständlich auch in der kleinen Brusttasche im Hemd. Der Mama ging das immer auf die Nerven und zu ihrem Überdruss hat mir Papa diese schlechte Eigenschaft vererbt. So konnte sich Mama über uns beide ärgern. Ich sah keinen Anlass, mich zu ändern, bis mir Freunde in einem Slum in Afrika klarmachten, dass ich es sooo den Taschendieben leicht mache. Ich solle mein Geld nur in den vorderen Hosensäcken tragen. Das sei sicherer. Das sah ich ein, aber das ganze Geld vorne – neben Taschenmesser, Taschentuch, Feuerzeug und allerlei? Das ging mir auf die Nerven. Zufällig lag ein kleines Plastiksackerl herum, in dem mein ganzes Geld Platz fand. Das half mir, im Sack tastend Klarheit zu finden. Zurück, daheim. Alles sicher. Und siehe da: ich wollte auf das hilfreiche Plastiksackerl nicht mehr verzichten.

Mein Plastiksackerl-Knowhow wuchs. Im Laufe der Jahre lernte ich, dass so ein Gefrierbeutel-Plastiksackerl eine unheimlich gute Qualität hat. Es ist stark. Es hält locker drei Jahre. Es ist schlank. Es trägt nicht auf und hält doch die Schätze zusammen und – es ist TRANSPARENT! In Zeiten wie diesen ist Transparenz ohne Zweifel eine gefragte Tugend. | Heini Staudinger

 


oskarlDer »Oskarl für ImprovisiererInnen« ist inzwischen eine fixe Einrichtung im brennstoff. Schick’ uns bitte geglückte Beispiele aus deinem Alltag! brennstoff@gea.at