Wollen wir menschlichere, lebendigere, produktivere Lebensumstände schaffen, dann ist das Erfinden, Durchdenken und experimentelle Durchspielen möglicher, wünschbarer, humaner Zukünfte von erstrangiger Bedeutung. Wir sollten Werkstätten und Probebühnen schaffen, in denen die ›Welt von morgen‹ in ersten Strichen skizziert, kritisiert, in verbesserter Form modelliert, abermals diskutiert und derart auf vielfache Weise dargestellt werden könnte. Ohne Furcht vor Interessensverbindungen, ohne Bindung an Routine und falsche Vorsichten, ohne jede ›Vernünftigkeit‹, die sich stets am schon Gewussten, schon Gekonnten ängstlich orientiert und so zur Unvernunft wird.

ROBERT JUNGK

Nussbaumer, Exenberger, Neuner: Leidenswege der Ökonomie

Nussbaumer, Exenberger, Neuner: Leidenswege der Ökonomie

 

GEGEGE | BRENNSTOFF 40
Nussbaumer, Exenberger, Neuner: Leidenswege der Ökonomie

Nussbaumer, Exenberger, Neuner: Leidenswege der Ökonomie

vorweg, liebe Leute: kauft das Buch, wundert euch, diskutiert mit Freunden bei einer guten Flasche Wein darüber (auch ein guter Weg, Veränderungen zu beginnen…) und die ersten Bewusstseins-Schritte lebensfreundlicher Transition gehen fast von selbst.

Die Ökonomen der Universität Innsbruck, Josef Nussbaumer und Andreas Exenberger und der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Neuner, schenken uns nach dem wunderbaren Büchlein »Unser kleines Dorf« ein neues zu Herzen gehendes Werk.

»Leidenswege der Ökonomie« ist eine Fundgrube. Ausgehend von Papst Franziskus’ viel zitierter Aussage, dass »DIESE Wirtschaft tötet«, sammeln sie eine ungeheure Vielzahl an Kurzmeldungen, die DIESE Wirtschaft erkennbar machen.

Vierzehn Stationen der »Leidenswege« beschreiben Bereiche, die global betrachtet viele Millionen Menschen tagtäglich durchwandern müssen. Hunger, Konsum, Arten, Ressourcen, Mobilität, Wasser, Wald, Boden, Arbeit, Müll, Verteilung, Klima sind einige der Leidensbereiche, die in kurzen, alphabetisch nach Stich worten geordneten Nachrichtennotizen beschrieben werden. Anschauliche Graphiken schärfen zudem den Blick.

Da die einzelnen Informationen oft nur in zwei Zeilen verdichtet sind, ist es egal, auf welcher Seite man das Buch aufschlägt und zu lesen beginnt – jedes Stichwort schenkt ein Stück Klarheit, und auch wenn es meist eine bedrückende Wahrheit ist, öffnet sie die Augen. Die letzte Station und das letzte Kapitel heißt »Hoffnung«. Hier werden Auswege aus dem Wahnsinn einer systematisch destruktiven Ökonomie skizziert. | Bernhard Ungericht