Der erscheint mir als der Größte,
der zu keiner Fahne schwört,
und, weil er vom Teil sich löste,
nun der ganzen Welt gehört.

RAINER MARIA RILKE

Liebe Freundinnen! Liebe Freunde!

Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.
Friedrich Nietzsche

Irgendwie ist da was schief gegangen und es schaut so aus, als ginge es weiter schief. Die technologische Entwicklung ist irr. Es ist toll, was Maschinen alles können. Die Leistungsfähigkeit der Computer ist gigantisch – und doch, so frag ich mich: wo bleibt denn bloß die Erleichterung? In meinem Bekanntenkreis arbeiten alle, die (noch) Arbeit haben, wie verrückt. Die meisten von ihnen/wir!? arbeiten ziemlich viel … Arbeitszeitverkürzung – für die einen ein Fremdwort, für die anderen macht sie  (»dank« des immer schärfer werdenden Wettbewerbes) den Druck auf die verbleibende Arbeitszeit eher noch höher. In der nun kürzeren Arbeitszeit muss immer noch mehr herauskommen und tatsächlich: es kommt auch mehr und mehr und noch mehr heraus.

Nun steht eine neue technische Revolution vor der Tür. Es werden noch mehr Waren und Güter herauskommen, die keine/r braucht, und noch mehr Geräte, die man nicht mehr reparieren kann. Und nebenbei werden Millionen von Arbeitsplätzen verloren gehen und die Kunden, die diese  vielen Waren kaufen sollen, werden weniger. Und noch immer stecken wir in dem Schwachsinn gefangen, dass Arbeit mit den höchsten Steuern und Abgaben belastet ist, während die Maschinen Tag und Nacht, Sonntag und Feiertag, Schwarzarbeit verrichten.

Der Mainstream ist rücksichtslos. Er deckt die Privilegien der wenigen Gewinner. Ihre Vermögen sind nicht oder kaum versteuert, während der Staat sich vor allem von der Arbeit der Kleinen gnadenlos die Steuern holt. Das gesellschaftliche Gleichgewicht geht mehr und mehr verloren. Global ist es längst eine Katastrophe. Nun rückt uns diese Bedrohung auf den eigenen Pelz. Mit den Methoden der Vergangenheit werden wir die heutigen Probleme und die Herausforderungen der Zukunft garantiert nicht meistern können.

Antonovsky, der Entdecker der Salutogenese, sagt, um gesund zu sein, müssen wir 1. die Welt, in der wir leben, irgendwie verstehen. 2. müssen wir in dieser Welt handeln dürfen und 3. müssen wir unser Handeln in einem sinnvollen und größeren Zusammenhang erleben dürfen. Wenn wir diese drei Punkte einigermaßen erfüllen können, dann schaffen wir eine gute Basis für unsere Gesundheit. Um diese Basis zu schaffen, müssen wir andere Wege beschreiten als die, die uns in diese Krise geführt haben. Und dafür müssen wir noch einiges lernen. »Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.«  Da hat er recht, der alte Laotse.

Das meint im Ernst

Heini Staudinger Signatur