Grenzenlos glücklich, absolut furchtlos, immer in Schwierigkeiten.

DOROTHEE SÖLLE

Liebe Freundin! Lieber Freund!

Schuhe machen ist viel Arbeit. So ist es. So wie es ist, ist es recht. Dummerweise! geht alles, was arbeitsintensiv ist, fort. Fort, ins »billigere« Ausland. Vorübergehend machte es den Anschein, als wären wir alle Nutznießer dieser neuen, globalen Wirtschaft. Unzählige Konsumgüter zu unglaublich günstigen Preisen. Nach und nach dämmert es, dass wir uns mit dieser grenzenlosen Schnäppchenjagd selber bestohlen haben. Ein Viertel der jungen Leute in Europa hat keine Arbeit. In Spanien und Griechenland sind es mehr als die Hälfte.

Arbeit ist mehr als Jobben, Geldverdienen und Konsumieren. Arbeit ist (idealerweise) eine Chance, eine Herausforderung, an der wir wachsen können. Vor allem die Handarbeit. In einem Buch habe ich es einmal so schön beschrieben gefunden … in der Handarbeit werden innere Fähigkeiten außen sichtbar … mit diesem Inneren müssen/sollen wir in Kontakt bleiben. Denn tief in unserem Inneren schlummern unsere höchsten Möglichkeiten. Um diesen Schatz zu heben, brauchen wir Stille und Ruhe, Familie und Freunde und natürlich auch Arbeit. Die Sehnsucht weist uns den Weg. Wenn wir diese Chance zu arbeiten nicht bekommen, sind wir ärmer, verstehen wir weniger von der Welt. Um ein sinnvolles Leben führen zu können, reicht es nicht aus, Konsument zu sein.

Jetzt gibt es uns, die Waldviertler Schuhwerkstatt, schon 30 Jahre lang. Halleluja. Wir freuen uns sehr. Doch sind wir traurig, dass fast alle Schuherzeuger, sie waren Freunde und Kollegen, kaputt gegangen sind. Nicht, weil sie faul oder schlampig gewesen wären. Nein. Die österreichische und die deutsche Schuhindustrie gehörten ohne jeden Zweifel zu den besten der Welt. Kaputt gegangen sind sie unter den unfairen Wettbewerbsbedingungen.

Wir haben Glück gehabt. Unser Bündnis mit GEA und vielen treuen SchuhhändlerInnen, der Erfolg unserer eigen!willigen! Werbung, unser Werksverkauf und unsere fleißigen MitarbeiterInnen haben diese Entwicklung möglich gemacht. Unser Engpass ist der Fachkräftemangel. Drum will ich hier auch unseren Partnerfirmen in Ungarn und Tschechien danken. Denn nur durch die gute Zusammenarbeit können wir der starken Verkaufsnachfrage nachkommen. Diesen Verkaufserfolg wiederum münzen wir umgehend in eine Ausbildungsoffensive um. Bisher nahmen wir ein bis zwei Lehrlinge (Azubis). Heuer waren es sechs. So will ich unseren Lehrlingen fröhlich zurufen: »Schön, dass ihr da seid. Wunderbar. Ihr seid unsere Zukunft!«

Nun, liebe LeserInnen, will ich mich von euch mit den starken Worten von Dorothee Sölle verabschieden, sie nennt diese Beschreibung des Lebens eine »mystische Übertreibung«: Grenzenlos glücklich – absolut furchtlos – immer in Schwierigkeiten – »alles« steht uns im Leben offen.

Das meint im Ernst

Heini Staudinger Signatur