Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.

MARIE VON EBNER-ESCHENBACH

Liebe Freundin! Lieber Freund!

Ja, ich habe mich gefreut über das gemeinsame Europa. Schrems liegt im Nördlichen Waldviertel, unweit der Grenze zu Tschechien. Der Eiserne Vorhang bedeutete jahrzehntelang das Ende der Welt. Dann kam die Wende. Die Grenze wurde normal. Kein Stacheldraht. Kein Todesstreifen. Schließlich ging die Grenze ganz auf. Keine Grenzkontrollen. Freiheit, Offenheit, gute Nachbarschaft. Für mich war das das größte politische Ereignis meines Lebens. Ein Schritt Richtung Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Von diesem Traum, von dieser Hoffnung, haben wir uns wieder weit entfernt. Aus dem Europa der Freiheit und der Hoffnung auf Gerechtigkeit ist ein Europa der Konzerne und der Banken geworden. Die Politik kümmert sich nur mehr scheinbar ums Volk, während sie für die Konzerne Gesetze schmiedet, die deren Diebstahl legalisieren. Wenn nun Luxemburg meint, das alles sei »legal«, dann macht das den Schaden noch größer. Denn »neben» dem finanziellen Schaden für die Staatskassa geht auch noch der Glaube an das Gesetz verloren, von dem wir erhofften, dass es allen Bürgern gleiches Recht im Sinne der Gerechtigkeit gäbe. Wenn Werner Faymann und Angela Merkel dieses System tolerieren, in dem superreiche Konzerne wie Amazon, Apple, Pepsi, IKEA, Deutsche Bank und hunderte andere ihre Milliarden-Gewinne kaum oder gar nicht versteuern, dann verlieren sie jedes moralische Recht, Arbeit zu besteuern und aus den Klein- und Mittelbetrieben, den wichtigsten Arbeitgebern des Landes, den Großteil der Steuereinnahmen herauszupressen.

Auf unserer Titelseite heißt es: Milliarden sind auf der Suche nach Sinn. In diesem Satz steckt eine doppelte Bedeutung. Natürlich ist es so, dass Milliarden Menschen Sinn suchen. Oft, und immer öfter, ist es aber auch so, dass Milliarden-Vermögen auf der Suche nach Sinn sind. So gibt es viele Menschen, die für ihr Vermögen oder ihre Ersparnisse sinnvolle Landeplätze suchen, wo sie darauf vertrauen können, dass ihr Geld sinnvoll eingesetzt wird. So möchte ich mich hier bei allen Freunden und Kunden bedanken, die uns Geld geborgt haben. Ohne diese Hilfe wäre so eine Entwicklung unserer Firma nicht möglich gewesen.

Advent. Mit Dorothee Sölle will ich die Möglichkeiten, die wir als Menschen auf Erden vorfinden, in den Himmel hinaus rufen: »Grenzenlos glücklich. Absolut furchtlos. Immer in Schwierigkeiten.« Es ist unser Menschenschicksal, Schwierigkeiten zu meistern. Die Erlösung vom Banken- und Konzern-Wahnsinn und auch von den eigenen Gefangenheiten und Süchten wird nicht von alleine vom Himmel daherkommen. Wenn wir uns aber (wir sind das Volk) gemeinsam auf den Weg machen, dann dürfen wir auch auf die Hilfe des Himmels hoffen.

Das meint im Ernst

Heini Staudinger Signatur

P.S.: Im letzten Weihnachtsalbum habe ich folgenden Geschenktipp gegeben: »Lerne eines deiner Lieblingsgedichte auswendig und gib es deinen Freunden als Geschenk.« Viele haben mir mit Freude erzählt, dass sie es gemacht haben. Wie schön. Hi Hei